Lesung in Innsbruck (Universität) am 16.11.2015

Buch-Präsentation in der Universität Innsbruck vor rund 15 StudentInnen – überwiegend aus Südtirol kommend – im Zuge des Seminars „Erinnerungskulturen“ von Assistenzprofessorin Frau Dr. Mag. Eva Pfanzelter, Institut für Zeitgeschichte. Dabei habe ich aus dem aktuellen Teil eine längere Textpassage vorgelesen, in der ich eine intensive Selbst-Reflexion zum Umgang mit dem Thema „Option“ in der eigenen Familienerzählung entwickle: „Scham und Schweigen“. Es folgte ein intensives Gespräch mit vielen, klugen Fragen.

So zielten die Fragen u.a. auf

* den Schreibprozess, z.B.: mit welchen Kapiteln habe ich zu schreiben angefangen (mit jenen, in denen die eigene Familiengeschichte im Zentrum steht), wann habe ich die Einleitung geschrieben (den aktuell-reflexiven Teil, der an die Kapiteln zur eigenen Familiengeschichte anknüpft, sehr früh, der historische Teil, der zum Ort Wesenufer hinführt, ganz zum Schluss).

* zu meiner Familiengeschichte, z.B.: haben meine Großeltern von der Beschlagnahmung und Arisierung des Hauses gewusst (ja, sie waren auch über Jahre immer wieder in Kontakt miteinander, vgl. dazu die Kapitel „Ein Haus, verwickelt in zwei Familiengeschichten“ und „Restitution des Hauses an Rosa Beer“).

Bemerkenswert fand ich den Umstand, dass – wie der Verlauf des Gespräches deutlich machte – die überwiegende Mehrheit der StudentInnen, die aus Südtirol kommt, weiß, wie ihre Urgroßeltern in der Option „gewählt“ haben.

Eine Studentin berichtete von eigenen Recherchen im Archiv, weil sie das einfach wissen wollte. Bei ihren Nachforschungen fand ein interessantes Ergebnis: Ihre Urgroßeltern haben für das Deutsche Reich optiert, in der Familienerzählung waren sie jedoch bislang „Dableiber“.

Eva Pfanzelter wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass diese Diskrepanz in Bezug auf die Option in ihren Forschungen öfters auftaucht. Die Familienerzählung beschreibt sich selbst als „Dableiber“, die historische Realität, gestützt auf die Akten im Archiv, zeigt jedoch ein anderes Ergebnis: Option für das Deutsche Reich.

Gerade deshalb ermunterte Eva Pfanzelter diejenigen StudentInnen, die heute (noch) kein Wissen über die Entscheidung ihrer Familien in der Option verfügen, sich dieses Thema einmal in den Archiven genauer anzusehen. Mittlerweile sind bereits mehrere Anfragen vonseiten der Studierenden bei Eva Pfanzelter eingegangen, was sie denn genau machen müßten, um zu erfahren, wie ihre Urgroßeltern in der Option „gewählt“ haben.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s